Mikis Theodorakis: Mehr als nur der Filmkomponist von „Alexis Sorbas“

Anfang August hielten viele Fans der klassischen Musik den Atem an. Der bedeutende griechische Komponist Mikis Theodorakis hatte einen Herzanfall erlitten. Der 93-Jährige war in die Intensivstation eines Krankenhauses eingeliefert worden. Zwar schwebte Theodorakis nicht in Lebensgefahr, wie es seitens der griechischen Nachrichtenagentur ANA hieß. Dennoch hatten ihn die Ärzte – auch bedingt durch das hohe Alter des Künstlers – zur Beobachtung in der Klinik behalten. Wenige Tage später wurde er aus dem Krankenhaus entlassen.

Laufbahn eines Ausnahmekomponisten

Mikis Theodorakis gehört zu den bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Nicht nur in produktiver, sondern auch und vor allem in qualitativer Hinsicht hat der Tonmeister ein Werk geschaffen, das seinesgleichen sucht. Geboren wurde Theodorakis am 29. Juli 1925 auf der griechischen Insel Chios. Schon als Kind schrieb er erste Lieder. Bald folgten die ersten musikalischen Ausbildungen, sodass er schon im Teenageralter, genauer mit 17 Jahren sein erstes Konzert geben konnte. Einer vertiefenden Ausbildung stellte sich in den 1940er Jahren der Zweite Weltkrieg in den Weg, in dessen Mühlen Theodorakis als linksorientierter Widerstandskämpfer geriet. Anfang der 1950er studierte er am Athener Konservatorium. Ein Stipendium führte den mittlerweile verheirateten jungen Mann ins Pariser Konservatorium, das er 1959 erfolgreich abschloss. Es war der Startschuss für eine musikalische Weltkarriere.

Komponist zwischen den Welten

Als Komponist bewegte sich Theodorakis immer zwischen Moderne und Tradition, avantgardistischer Komplexität und musikalischen Elementen, die in der Volksmusik-Tradition Griechenlands ihre Wurzeln haben. Mehrere Welten vereinte der Komponist auch geographisch. Immer wieder pendelte er – auch politisch bedingt – zwischen den Kunst- und Musikzentren Europas (Paris) und Griechenland (Athen). Der Qualität seiner Arbeit tat das keinen Abbruch. Im Gegenteil, Theodorakis schuf ein ebenso umfangreiches wie bedeutendes Werk, das aus Opern, symphonischer Musik, Kammermusik, Kantaten, Oratorien, Liedern und nicht zuletzt Liederzyklen besteht.

Ein kultureller Weltenbummler war Theodorakis auch insofern, als er zu einem der erfolgreichsten Filmkomponisten des 20. Jahrhunderts wurde. Filmklassiker wie Sidney Lumets „Serpico“, Jules Dassins „Phaedra“ und Constantin Costa-Gavras‘ Polit-Thriller „Z – Anatomie eines politischen Mordes“ bekamen durch die atmosphärischen Klänge des griechischen Tonkünstlers ihren letzten Schliff. Unsterblich hat sich Theodorakis spätestens mit der Musik zur Literaturverfilmung „Alexis Sorbas“ gemacht. Die Szene, in der Anthony Quinn, in zerlumpte Klamotten und Schuhe gekleidet, am Strand unter der Musik Theodorakis‘ den Sirtaki tanzt, ist in die Film- und Filmmusik-Geschichte eingegangen.

Der politische Aktivist

Theodorakis versteht Musik nicht nur als l’art pour l’art, sie ist für ihn auch Mittel zum Zweck, nämlich: Die Welt zu einem besseren Ort machen. Er ist zeitlebens ein engagierter Komponist gewesen, was sich auch abseits des Notenblatts äußerte. Als junger Mann schloss sich Theodorakis dem Widerstand gegen die Besatzung Griechenlands durch Nazideutschland an. Während des Griechischen Bürgerkriegs wurde er vom Regime verfolgt, inhaftiert und gefoltert. Auch während der Militärjunta von 1967 bis 1974 kämpfte er gegen das Regime. Erneut waren Verhaftung und Folter die Folge. Selbst im hohen Alter ist Theodorakis‘ kritischer Geist ungebrochen. 2012, mit 87 Jahren, ging er mit Tausenden anderen empörten Griechen auf die Straße, um gegen die Sparpolitik der Regierung zu protestieren.